Sechs Ringe und ein T-Shirt

Polar Energy

Ich wäre gerne häufiger in Alaska. Nicht nur alle fünfzehn Jahre oder so. Denn keine Landschaft in Nordamerika ist urtümlicher und faszinierender – besonders, wenn man sich mit einem kleinen Flugzeug von den ausgetretenen Pfaden und Anlaufpunkten der Touristen absetzt, die mit riesigen Kreuzfahrtschiffen zum Beispiel Hafenorte wie Skagway überrennen.

Aber es ist schwer, potenzielle Auftraggeber davon zu überzeugen, dass sich die lange Anreise von New York aus für alle Beteiligten lohnt. So fiel im November 2008 der Plan ins Wasser, die Wahlnacht im Umfeld der Kandidatin für die Vizepräsidentenwahl zu verbringen, um diese Facette Amerikas einzufangen. Die Sarah-Palin-Geschichte schien kaum jemanden in Europa besonders zu interessieren. Als ich vor einem Jahr zunächst nach Fairbanks, dann nach Anchorage und schließlich an den Palin-Wohnort Wasilla fuhr, hatte sich an der eigenartigen Zurückhaltung  gegenüber einer der einflussreichsten amerikanischen Politiker nichts geändert. Dabei gab es etwas wirklich Neues: die Geschichte über den Journalisten und Buchautor, der sich unmittelbar neben der Familie Palin eingemietet hatte. Ich konnte niemanden davon überzeugen, sich für das Thema zu interessieren.

So habe ich mir den Ort und die Verhältnisse dort nur kurz angeschaut und mich ansonsten auf die Themen konzentriert, deretwegen ich den weiten Weg unternommen hatte: die Eskimo Olympics in Fairbanks und das Interview mit dem aus der Schweiz stammenden Hundeschlittenrennfahrer Martin Buser. Von den langen Tagen und hellen Nächten Ende Juli in Fairbanks und Anchorage habe ich eine halbstündige Rundfunksendung mitgebracht: Ein Eskimo kennt keinen Schmerz, die im Januar von Deutschlandradio Kultur in der Reihe Nachspiel ausgestrahlt wurde. Die Begegnung mit Buser erschien im letzten Jahr in der Schweizer Illustrierte, wozu ein ausführliches Porträt in der Zeitschrift und ein Video für die iPad-Ausgabe gehörte.

Wenn man schon mal mit der Videoausrüstung auf Achse ist, dachte ich, kann man natürlich bei der Gelegenheit auch an einem Einsatzort wie dem Carlson Center in Fairbanks mit der Kamera arbeiten. Denn darunter leidet die Radioarbeit nicht (solange man die wichtigsten Interviews mit den passenden Mikrofonen aufnimmt). Im Gegenteil. In manchen Augenblicken verfolgt man die Aktion wie etwa beim Ear Pull sehr viel gebannter, wenn man dabei durch eine Linse schaut und die schmerzverzerrten Gesichter und das Gebrüll der Teilnehmer verfolgt. Den Ton bekommt man automatisch in den Kasten.

Warum schreibe ich heute darüber? Am 20. Juli beginnen die nächsten Eskimo Olympics. Die Veranstaltung wird übrigens in diesem Jahr 50 und ist mehr als nur ein exotisches Tamtam. Was es bedeutet und wie groß der kulturelle Stellenwert ist, lässt sich in einem Video von dreieinhalb Minuten Länge nur schwer darstellen. In einer Radiosendung von einer halben Stunde Länge dagegen war dies schon sehr viel besser möglich. Allerdings stellt der Sender diese Produktionen nicht online zum Nachhören bereit. Also habe ich beschlossen, wenigstens das bislang nicht publizierte Video in meinem Blog einzubetten. Vielleicht kommt ja jemand, der hier vorbeischaut, auf die Idee, in Berlin anzuregen, dass die Sendung in naher Zukunft wiederholt wird.

Zu dem Musikstück, das ich im Video (und in der Radiosendung) verwendet habe, haben mich die Eskimomusiker in Fairbanks inspiriert, deren schlichte und doch eindrucksvolle Musikalität aus nicht mehr als Gesang und Trommelschlägen – der Soundtrack der Tage von Fairbanks war. Ich habe meine Interpretation hochgeladen – für den, den’s interessiert. Titel: Down the Chena River.

Weitere Gedanken zu der Reise und zu meinem Verhältnis zu Alaska habe ich im letzten Jahr auf an anderer Stelle notiert.

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