Anstatt Sportabzeichen

Der Podcast der deutschen Fußball-Blogger weist eine lange Vor-Geschichte auf. Gestartet als Experiment in einer Münchner Küche mit nur wenigen technischen Hilfsmitteln, aber mit sehr viel Begeisterung. Und mit einer Videokamera übrigens, die damals sogar einen Stream ins Netz schickte, weil der Mann der ersten Stunde, Kai Lorentz (Bloggername: Probek und als Neu-Münchner eng mit den Bayern befasst), ein Händchen für solche Sachen hat.

Da kamen in seiner Küche zur ersten Ausgabe eine ganze Reihe Gleichgesinnter zusammen und zeigten einen sehr angenehmen Korps-Geist. Merke: Deutsche Fußball-Blogger definieren sich weniger durch die Zuneigung zu einem bestimmten Verein, sondern durch ihre Zuneigung zum Fußball. Ich habe das Projekt von an Anfang gemocht und zwischendurch durch ein paar Beiträge unterstützt. Darunter befand sich auch das erste Interview mit Trainer Baade nach der großen JAKO-Affäre, die zu den denkwürdigsten Ereignissen in der deutschen Sportblog-Szene gehört. Meine Lust an der Mitwirkung hatte mit einem eigenen Projekt zu tun. Ich hatte 2006 damit begonnen, fast täglich einen eigenen Sport-Blog mit Stoff zu füllen. Er hieß so wie dieser hier – American Arena – und liegt heute still. Über die Motivation für den Einstieg in die Bloggerei und das etwas zähe Ende kann man hier und hier das Wesentliche nachlesen. Das muss nämlich nicht mehr neu besprochen werden.

Statt dessen sollte von Ballpod geredet werden. Dem Podcast, der vor ein paar Wochen wiederbelebt wurde. Zum Glück gibt es aber eine eigene Webseite, die das Projekt begleitet. Die Auferstehung ist dem Engagement von Sebastian Fiebrig zu verdanken, der sich vorher bei der Arbeit am Podcast Texttonvergehen (monothematisch dem Fußball-Club Union Berlin gewidmet) jede Menge technisches Know-how draufgeschafft hat. Ich habe ihn vor ein paar Tagen in seiner Küche in Berlin besucht, wo beim Kaffee irgendwann die Frage auftauchte, ob man sich hinreichend für die Musik bedankt habe, die er und seine Mitstreiter als Einstiegsmotiv benutzen. Das fand ich eine sehr honorige Geste. Denn eigentlich sollte ich mich bei ihm bedanken. Denn auch für den Ballpod hat er ein Musikstück aus meinem Archiv ausgewählt. Das empfinde ich als Ehrenauszeichnung. Also so etwas wie das Sportabzeichen des DOSB, das ich eigentlich schon vor ein paar Jahren erwerben wollte.

Um diese Kompositionen geht es:

Podcast Sports Theme 2 ist die Musik von Texttonvergehen.

Podcast Ball die von Ballpod. Let it rock. And let it roll.

Advertisements

Was Langer währt

Sie drehen im Alter von über 50 noch ein paar eckige Runden, wie das Wolf Biermann mal besungen hat. Allerdings sind es Runden auf dem Golfplatz. Und das dann auch noch ziemlich gute. Die erfolgreichsten unter ihnen werden dafür ganz beachtlich gut bezahlt. So wie Bernhard Langer, der zu einer dominierenden Figur unter den Alten Herren geworden ist. Sein Preisgeld auf der amerikanischen Champions Tour bisher: 8,4 Millionen Dollar. Mit 14 Turniersiegen steht er bereits ziemlich weit oben in der ewigen Bestenliste.

Für die Reihe Nachspiel bei Deutschlandradio Kultur habe ich ihn vor ein paar Monaten interviewt. Ihn und eine ganze Reihe von anderen Golfern. Plus die wichtigen Helfer im Hintergrund: Masseur, Schlägerhersteller, Caddie, Präsident des ausrichtenden Clubs. Nicht zu vergessen: Zuschauer, Journalisten, Tour-Verantwortliche, Sponsorenvertreter, freiwillige Turnierhelfer. Viel Volk. Bei dem Versuch, deren Antworten in 30 Minuten unterzubringen, kamen dann allerdings nicht alle zu Wort. Bernhard Langer hingegen durchaus. Hier geht’s zur Sendung.

Die Recherchen für diese Sendung hatten ganz nebenbei noch einen zusätzlichen Ertrag. Sie boten die Grundlage für einen Beitrag über amerikanische Spitzensportler, die sich seit einiger Zeit bei einem Düsseldorfer Orthopäden und Schmerzspezialisten behandeln lassen. Der wurde schon im Januar im Deutschlandfunk ausgestrahlt und trug eine Reihe von Indizien zusammen, die die Vermutung nahe legen, dass die teure Behandlung womöglich nicht ganz koscher ist. Es wird sich zeigen, ob der Mediziner eine Art Wunderheiler ist oder das Blut seiner Patienten auf eine Weise aufmischt, die mit den Regeln des Sports nicht zu vereinbaren ist. Die Recherchen zeigten übrigens eines: dass die offiziell dafür bezahlten Dopingjäger in Deutschland und in den USA sich nicht so gerne als zupackende Ermittler im Kampf gegen den Sportbetrug outen. Vielleicht sind sie es. Vielleicht sind sie auch nur ein Feigenblatt, um den Sportkonsumenten in dem Gefühl zu wiegen, dass alles Notwendige getan wird.