Was zum Hören sagen

Es hat mit ein paar sporadischen Beiträgen begonnen. Mit einer ersten Geschichte über eine Kunstmesse in Miami in den frühen Tagen des Crashs von 2008 und über die Stimmung dort. Mich hat das interessiert, wie Kunsthändler und Organisatoren auf ein solches Ereignis reagieren, das in den Büchern vieler potenzieller Käufer einen Teil der für den Kauf von Kunst verfügbaren Millionen ausradierte. Die Recherche war ergiebig und machte mich neugierig darauf, den etwas schwierigen Weg in einen Bereich der journalistischen Arbeit anzupeilen, der spät abends eigentlich nur in einer Nische existiert. Der aber sehr viel Respekt bei Connaisseuren genießt. Es handelt sich um die Magazinsendung Fazit auf Deutschlandradio Kultur.

Am letzten Wochenende war ich erneut unterwegs. Diesmal lag das Thema etwas näher. Räumlich gesprochen. Statt nach Miami bin ich nach Tanglewood gefahren. Zum Saisonauftakt beim bedeutendsten Musikfestival der USA, das in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert. Ich bin in den vergangenen Jahren schon mehrfach in dieser wunderschönen, weitläufigen Parkanlage gewesen. Die Berkshires im westlichen Massachusetts sind Edel-Neu-England vom Feinsten.Und die kleinen Städte wie Lenox und Stockbridge sind es besonders.

Klassik mit Picknick auf dem grünen Rasen – das hat etwas. Obwohl es auch nicht schlecht ist, wenn man Karten für einen der kargen Stühle unter dem Dach bekommt und näher am Podium sitzt. Es ist ein anderes, genaueres Hören. Wenn es nicht so überkandidelt aussähe, würde ich die Partituren mitbringen und mitlesen. Genuß für Hirn und Ohren. Wir sind übrigens schon früher gegangen. So, dass wir den gesamten zweiten Teil live im Radio auf der Heimfahrt hören konnten. Auch das hat was. Mitsingen und mitsummen – das geht nun mal nur in einem solchen Rahmen.

Tanglewood ist in Deutschland kaum bekannt. Zumindest muss man das schlussfolgern, wenn man in den Archiven der Zeitungen blättert. Was schade ist, denn dort findet mehr statt als das Herunterdudeln von ein paar Greatest Hits der klassischen Konzertliteratur. Zum Angebot gehören auch risikofreudige Darbietungen und wochenlange Meisterklassen für das Beste vom Besten des Musikernachwuchses. Weshalb es wirklich sehr angebracht war, diesen Ort, seine Stimmung mit Hilfe von ein paar Stimmen einzufangen und zu beschreiben. Der Beitrag läuft am Sonntag. Die Sendung wird komplett, wie immer, kurz nach Mitternacht auf dem Deutschlandfunk wiederholt (und anschließend hier im Blog unter „Neueste Veröffentlichungen“ verlinkt.

Seit dem Kunstmarkt-Thema habe ich mich eher behutam in das weite Feld der Kulturberichterstattung hineingewagt. Ein besonderes Thema war unterschiedliche Facetten der amerikanischen Museumsarchitektur und wie es kommt, dass man so viel privates Geld für die Gebäude auftreibt. Ich habe mich aber auch anlässlich des Super-Bowl-Erfolgs der Green Bay Packers mit einem Broadway-Stück über ihren ehemaligen, legendären Trainer beschäftigt, mit den Schwierigkeiten von Sinfonieorchestern in den USA zu überleben. Und neulich – aus Anlass ihres Todes – mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Nora Ephron. Ich hatte vor ein paar Monaten die Idee, sie für eine ganz andere Sendung zu interviewen. Dazu kam es dann nicht. Ich weiß heute, dass ich sicher mit diesem Ansinnen zu spät gekommen wäre. Was blieb? Der Versuch, meine Wertschätzung für die ungewöhnliche Hinterlassenschaft dieser Frau in Worte zu fassen. Wenigstens etwas.

Tanglewood Photo: Tim Jarrett (Creative Commons Licence CC BY-SA 2.0)

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