Ganz, ganz kleine Freuden

9780061873720Es sollte einen nicht überraschen, dass journalistische Arbeiten aus dem Segment Sportjournalismus in einer Magisterarbeit mit dem Titel „Weisheit und Torheit in der Phraseologie und in der Presse“ auftaucht. Wir vom Spielfeldrand dreschen viele Phrasen, und klug gewählt sind die nur selten. Obwohl, wir klingen meistens schon bedeutend klüger, sobald sich studierte Germanisten etwas genauer mit den verwendeten sprachlichen Mitteln beschäftigen. Wie in diesem Beispiel aus dem Jahr 2007, als ich in einem Text über den NBA-Basketballer Dirk Nowitzki und seine ausgeprägte und nicht immer nachvollziehbare Loyalität zu Trainern und Managern eine Figur der Gebrüder Grimm als Metapher wählte, um den fraglichen Trainer so elegant wie möglich zu verspotten. Das verwendete „nominale Idiom“ schaffte es bis in die Überschrift des Artikels in der FAZ, die lautete: „Doktor Allwissend und der ewige Lehrling“.

Die Verwendung dieses Idioms „Doktor Allwissend“ wiederum schaffte es bis in diese Magisterarbeit von Veronika Chládková, die 2010 an der Masaryk Universität in Brünn eingereicht und dann irgendwann ins Deutsche übersetzt wurde. Hoffentlich wurde sie gut benotet. Selbst wenn sie beim besten Willen nicht klar machte, weshalb die Verwendung des „Doktor Allwissend“-Begriffs im Kontext meines Artikels so reizvoll schien. Denn tatsächlich hatte ich nur die Attitüde des Trainers gemeint, nicht seinen Bildungsgrad, der sicher weit über dem Grimmscher Bauern liegt. Das jedoch schien die Diplomantin nicht zu merken. Genauso wie sie etwas Entscheidendes verwechselte. Nicht Manager und Mentor Holger Geschwindner war mit diesem Etikett belegt worden, sondern der damalige Trainer der Dallas Mavericks, Avery Johnson, der dann auch wenig später mangels Erfolges seinen Posten verlor.

Immerhin: meine Formulierung war eine von 76 ausgewählten Zitatstellen aus einem ziemlichen Panorama von journalistischen Texten, darunter auch einige, die Sportjournalisten benutzt hatten: Erik Eggers („der Weisheit letzter Schluss“), Oskar Beck („den Verstand verlieren“) und Steffen Dobbert („der Teufelskerl“). Es gehört dies wohl zu den kleinen Freuden des Lebens. Den ganz, ganz kleinen, die sich damit beschäftigen, es zu genießen, dass die eigene Arbeit irgendwo da draußen ein Echo produziert.

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