Jahresrückblick mal anders

ImageFünfzehn Radiobeiträge aus dem ablaufenden Jahr und zwölf Musikstücke aus der eigenen Produktion, um die vielen unterschiedlichen Themen hinreichend voneinander zu trennen – daraus besteht mein erstes Jahresrückblick-Album. Ein ziemlich volles Programm, das über insgesamt 90 Minuten läuft (der Informationsanteil überwiegt deutlich und liegt bei rund 80 Prozent). Weil es ein Experiment ist, vermag ich nicht zu sagen, ob diese Zusammenfassung tatsächlich Menschen interessiert, die neugierig auf die USA sind und die hiesige Kulturlandschaft. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Früher hätten vermutlich Sportthemen einen solchen Mix dominiert. In diesem Jahr sind es Themen zu Kunst und Museen, Kultur und Literatur und Musik. Oft mit Querverbindungen zu aktuellen politischen Strömungen – wie in dem Stück über die Schriftstellerin und Pseudophilosophin Ayn Rand oder in dem Beitrag über den amerikanischen Exzeptionalismus. Mich haben in diesem Jahr Fragen und Diskussionsansätze beschäftigt, wie ich sie vor einer Weile in Texten für Zeitschriften wie die Gazette oder Feld Hommes behandelt habe. Fürs Radio geht man selbstverständlich anders ran. Es geht jedes Mal darum, authentische Stimmen einzusammeln. Und manchmal auch darum, atmosphärische Stimmungen mitzubringen. Was mehr Aufwand bedeutet, aber lohnend ist.photo-1Was gibt es im Angebot? Gespräche mit Professoren wie Morris Berman, einen der schärfsten Kritiker des imperialen amerikanischen Größenwahns. Und mit solchen, die sich mit Hollywood und den Nazis beschäftigt haben. Mit Architekturkritikern wie Paul Goldberger, der für Vanity Fair schreibt und den Status eines Starkritikers von Ada Louise Huxtable übernommen hat, deren Nachruf ich im Januar für die Sendung Fazit auf Deutschlandradio Kultur produziert habe (wir hatten uns eine Zeit lang vor ihrem Tod ausführlich unterhalten, auf der CD war allerdings kein Platz mehr für dieses Stück). Außerdem: Ich habe die beste Tortenbäckerin Amerikas porträtiert, die aufstrebende Münchner Band Claire in den Straßen von Downtown New York interviewt und mich mit dem Buchautor Alan Light im Central Park getroffen, wo wir uns über sein Buch unterhalten haben, das das erstaunliche Leben des Leonard-Cohen-Songs Hallelujah schildert. Der Anlass war gut gewählt. Im letzten Jahr war Cohen auf Tournee in Deutschland. Obendrein konnte ich im Frühjahr in Chicago einen Mini-Scoop landen: Ich war der erste, der mit dem Physiker geredet hat, der nachweisen kann, das Picasso teilweise mit Wandfarbe gearbeitet hat. Die Besonderheit. Wir haben uns in seiner Muttersprache Deutsch unterhalten. Dr. Rose lebt zwar in den USA, kommt aber aus Aachen.

Das Jahr ist noch nicht zu Ende. Weshalb ich mich freue, dass am 25. Dezember die Sendung mit dem Titel Der amerikanische Traum laufen wird, (ab 17.30 h auf Deutschlandradio Kultur). Das 30 Minuten lange Stück wird in der sehr verdienstvollen Reihe Nachspiel ausgestrahlt, der einzigen Plattform im deutschsprachigen Raum, in der Sportthemen wirklich umfassend und gründlich abgehandelt werden. Es ist meine fünfte Sendung für die Reihe, in der ich mich mit Halls of Fame, den Eskimo Olympics, Snowboard-Marktführer Burton und der Champions Tour der Golfer in den USA beschäftigt habe. Um was geht es in diesem amerikanischen Traum? Um junge deutsche Sportler, die in einer wachsenden Zahl in den USA Erfolg haben. Und das selbst in solchen uramerikanischen Sportarten wie Baseball und Football. Für die Sendung habe ich im Laufe der letzten Monate viele bemerkenswerte Sportler, Berater und Ex-Profis getroffen und interviewt. Im Sommer in Seattle konnte ich zum Beispiel Detlef Schrempf treffen, der als erster NBA-Spieler aus Deutschland in seinem Heimatland so etwas wie Begeisterung für diese Liga ausgelöst hatte. Das Interview fand auf dem Golfplatz statt, auf dem gerade sein großes jährliches Benefiz-Turnier lief. Schrempf hat für eine seit 20 Jahren bestehende Stiftung im Laufe der Jahre mehrere Millionen Dollar an Spenden gesammelt und an gute Zwecke weitergereicht. Wir ritten zusammen im Golf-Cart über die Anlage.

Donald Lutz, der mehrere Wochen lang bei den Cincinnati Reds die Luft der obersten Baseball-Liga inhalieren durfte, habe ich in der Umkleidekabine im neuen Stadion der New York Mets getroffen. Ich war aber auch in Regensburg, weil ich mich für die Anstrengungen dort rund um das Baseball-Internat interessiert habe. Und ich habe zwischendurch die College-Basketballer der University of Connecticut besucht und mich mit den drei jungen Deutschen unterhalten, die zu einer wachsenden Gruppe von Talenten gehören, die von College-Trainern amerikaweit angeworben werden.

Natürlich hätte es Gründe gegeben, sich ebenso intensiv mit deutschen Eishockeyprofis zu beschäftigen, die in der NHL arbeiten. Oder auch mit einem Footballspieler wie Sebastian Vollmer. Aber mit dem habe ich mich schon vor einer Weile abgemüht und festgestellt, dass er keine Lust hat, sich zu öffnen und einem die Faszination für das brutale Spiel zu erklären. Da bringt man nicht viel mit nach Hause. Leider. Deshalb war ich froh über Markus Kuhn, der nach einer längeren Verletzungspause wieder bei den New York Giants an seiner Karriere in der NFL arbeitet. Er ist der Musterfall eines Athleten, der aus seiner Begeisterung kein Hehl macht. Ein Typ, der unglaublich sympathisch rüberkommt.

Die Sendung schlägt aber auch ohne die, die fehlen, einen großen Bogen und hat mir gestattet, die vielen Sportthemen, mit denen ich mich in den letzten zwanzig Jahren in den USA beschäftigt habe, noch einmal neu aus dem Blickwinkel deutscher Athleten zu sortieren. Ich habe sie ja im Laufe der Jahre immer wieder getroffen – von Schrempf über Matthäus und Nowitzki bis Ehrhoff, Klinsmann und Kaymer. Aber nicht alle passen in das Profil einer solchen Sendung.

A propos Profil. In der Beschäftigung mit dem Thema bin ich auf eine Aussage des englischen Philosophen Bertrand Russell gestoßen, die erklären hilft, was im Kern am Sport in den USA und eigentlich an der ganzen Gesellschaft so anders ist. Wer wissen will, was der gute Mann einst geschrieben hat, sollte sich die Sendung anhören. Wer wissen will, wie der Jahresrückblick klingt, der unter dem Titel Objects in mirrors are closer than they appear auf CD erscheinen wird, möge sich melden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s