„Es gilt das geschriebene Wort“

Man befindet sich beim intensiven Umgang mit dem Medium Video vermutlich in Gefahr, das Schreiben zu verlernen. Oder besser gesagt: das nachdenkliche Schreiben zu verlernen. Gut also, dass es solch scheinbar altmodische Publikationen wie Die Gazette gibt, in denen man als Autor ein spannungsreiches Umfeld dafür findet, die eigenen Gedanken auszubreiten. Die Gazette gibt es seit mehreren Jahren, und sie hat in dieser Zeit einen eigenwilligen Weg zurückgelegt. Ursprünglich existierte sie nur im Internet, wo ihr Titel seltsam schrullig wirkte und wo sie ihr erstes Publikum fand und auch ihre thematische Ausrichtung. Aber irgendwann beschloss Herausgeber Fritz R. Glunck, den Kurs zu ändern: „Aus dem Meer des Internet taucht Die Gazette auf, um künftig ihr Glück als Papierschiffchen zu suchen“, schrieb die taz damals unter der Überschrift: „Lehrreich, gediegen und manchmal sogar amüsant“. Der Deutschlandfunk leuchtete den Hintergrund für die Entscheidung aus.
Ich habe im Laufe der Jahre immer mal wieder für diese Wundertüte des Magazinjournalismus geschrieben. Hier zum Beispiel. Und hier. Und hier. Und hier. Callaway und Golf, Amerikas Schwarze und ihr seltsames Verhältnis zu Afrika, die non-lineare Filmwelt und ihre Spiegelungen in der Politik, Hemingways Einfluss auf den Tourismus und noch manches mehr. Dieser weit gefächerten Mischung durfte ich in der neuen Ausgabe ein neues Stück hinzufügen: „Es gilt das geschriebene Wort“ über die politische Rechte Amerikas, die ihr gefährliches reaktionäres Politik- und Staatsverständnis aus dem puren Wortlaut der Verfassung ableitet, ohne dass die fortschrittlichen Kräfte diese idiomatische Idiotie in die Schranken verweisen.
Zur Webseite der Gazette. Zur Wikipedia-Seite.

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2 Kommentare zu “„Es gilt das geschriebene Wort“”

  1. Ich glaube nicht, dass man das Schreiben – und sei es das nachdenkliche – wirklich verlernen kann. Wie beim Fahrradfahren ist’s vielleicht anfangs ein wenig wacklig, aber dann wird das schon wieder. Eher dürfte der Einfluss einer neuen – multimedialeren – Sichtweise auf die Dinge auf das Schreibergebnis größer sein als die fehlende Übung.

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