Eine Reise weg wohin

Ich bin im Laufe der Jahre nicht mit so vielen Schiffen unterwegs gewesen. Der letzte nennenswerte Trip muss der mit der Fähre zwischen den beiden Hauptinseln von Neuseeland gewesen sein. Die allerersten waren ebenfalls Fährschiffe. Die pendelten zwischen Ostende und Dover, lange bevor es den Tunnel gab. Man ist ein paar Stunden unterwegs, sieht wie das eine Ufer ganz langsam davon gleitet und kann schon bald die Landschaft ausmachen, auf die man zusteuert. Man vertrödelt die Zeit und kann von Glück sagen, wenn man sich später an irgendein Detail erinnert. In Neuseeland habe ich ein paar alte abgewetzte braune Lederschuhe feierlich ins Meer befördert, die ich nicht mehr mit nach Hause bringen wollte. Auf der ersten Überfahrt nach Dover habe ich eine zollfrei gekaufte Stange Zigaretten verloren, weil ich die einem Mitreisenden zugesteckt hatte, um bei der Einfuhr nach England keinen Zoll bezahlen zu müssen. Der Junge wurde damals nicht ins Land gelassen. Eine Fahrt zwischen den Orkney-Inseln und der Nordküste von Schottland habe ich konsequent auf dem Deck verbracht und den Horizont angepeilt, weil mir bei dem Seegang im Bauch des Potts nicht ganz geheuer war. Außerdem war da oben die Luft besser.

Eine Passage, wie die jetzt ansteht, habe ich noch nie gemacht: Eine Atlantiküberquerung, zwölf Tage schnurstracks geradeaus von Fort Lauderdale nach Lissabon mit einem einzigen Aufenthalt auf Madeira. Am Mittwoch geht es an Bord. Zwölf Tage zusammen mit 450 anderen Passagieren und mehr als 300 Crew-Mitgliedern auf einem der besten Kreuzfahrtschiffe weltweit (wenn man den Umfragen unter jenen Leuten trauen darf, die auf diesen Dingern öfter unterwegs sind). Vorne: nur Wasser. Hinten: nur Wasser. Links und rechts nichts als Wasser. Das wird ein Selbstversuch, eingefärbt von den nostalgischen Geschichten und Filmen von Leuten, die das in der Zeit erlebt hatten, ehe der Flugverkehr den Transport von Menschen über den Atlantik übernahm.

Der Vergleich hinkt zwar, weil die alten Ozeandampfer in ziemlichem Eiltempo jeweils ein paar tausend Menschen von hier nach da geschippert haben (und an Bord eine Mehrklassengesellschaft widerspiegelten, die auf diesem Kreuzfahrtschiff nicht existiert). Aber was zählt, ist ohnehin, wie dieses Erlebnis auf einen wirkt. Was das alles mit einem macht: die Einsamkeit. Ruhe. Wettergefahren. Lesen. Schreiben. Nachdenken. Genießen.

Eine Videokamera habe ich nicht dabei, aber die Radioausrüstung. Denn über diese Reise will ich hinterher ausführlich berichten. Weshalb es von unterwegs keine großartigen Infos geben wird. Auch wenn man an Bord via Wifi und Satellit ans Netz angeschlossen ist.

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